© 2014 Bernhard atacama45

Alemán!

Eine schnurgerade Straße führt direkt auf Iquique zu. Nicht die Erste, die wirkt als habe man sie mit dem Lineal gezogen. Auf den endlosen Ebenen zu beiden Seiten toben sich riesige Windhosen aus. Für lange Zeit sind wir die Einzigen die auf die Stadt zu fahren, auswärts hingegen kommen uns ganze Kolonnen entgegen. Haben wir was verpasst? Kein guter Zeitpunkt um die Küstenstadt aufzusuchen? Ein komisches Gefühl macht sich breit. Vor wenigen Wochen hat ein schweres Erdbeben in dieser Region gewütet. Nun sieht es so aus, als ob die ganze Stadt flüchten würde und wir die einzigen Idioten sind, die dort hin wollen. In Santiago wurde uns noch versichert, alles wäre normal. Kurz vor der Stadt geht es ca.500m bergab und wir stehen plötzlich im Stau. Schön noch andere Idioten vorzufinden. Der Grund der vermeintlichen „Massenflucht“ ist die einseitig gesperrte Zufahrtstraße. Wegen schweren Straßenschäden durch das letzte Beben wird zu den Stoßzeiten immer nur eine Richtung freigegeben. Raus oder rein.
Wir sind am Meer. Eine Nacht zuvor noch bei -14° auf über 4300m und jetzt bei etwa 28° auf 0m. Iquique, eine Stadt in der Wüste und doch am Meer. Hinter den Hochhäusern türmt sich eine gewaltige Wand aus Sand und Stein auf, davor Palmen, tosende Wellen und jede Menge Surfer. Welch ein Kontrast.
Doch unser Mietwagen will bewegt werden, also geht es tags drauf erst die Küste entlang und dann zurück in die Weiten des Altiplano. Das Ziel ist San Pedro de Atacama mit einer Übernachtung in der Nähe der El Tatio-Geysire. Laut Reiseführer soll es in den Dörfern der Umgebung einfache Unterkünfte geben. Leider wieder mal Fehlanzeige, was wir erst kurz vor Sonnenuntergang feststellen. Also beschließen wir die nördliche Piste zum Geysirfeld zu nehmen. Nach wenigen Schlagloch-übersähten Kilometern stehen wir vor einem Schild „Camino cortado“. Hier geht’s nicht weiter und die Straße sieht auch nicht besonders einladend aus. Also wieder zurück und ein Versuch auf der südlichen Route. In der Dunkelheit erreichen wir eine Polizeistation am Weg und haben Mühe die weitere Piste zu finden. Ein Carabinero kommt heraus und fragt wo wir hinwollen und aus welchem Land wir kommen. Alemán?! Ah! Mui Bien! Bayern München, Beckenbauer, Miroslav Klose und noch mehr sprudelt aus im heraus. Ein Fußballfan, wie soll es auch anders sein. Chile gegen Deutschland, das Traumfinale. Er zeigt uns den Weiterweg Richtung El Tatio. Nach über einer halben Stunde erreichen wir an einer Wegkreuzung eine Ebene und entscheiden spontan hier zu campieren. Die Geysire sind nicht mehr weit und wir sind hier zumindest etwas tiefer. Also mal wieder im Schein des Standlichts Zelt aufbauen und ab in den kuscheligen Schlafsack. Die Temperatur fällt zwar langsam, aber sicher.
Mitternacht. Im Halbschlaf höre ich einen Jeep, auf der Schotterpiste. Er biegt ab und hält nach wenigen Metern an, dann fährt er runter vom Weg und direkt auf unser Zelt zu. 2Meter davor bleibt er stehen. Fernlicht an. Die lautstarke HUPE dröhnt in meinen Ohren. WTF? Jetzt sollte ich vielleicht doch mal rausschauen. Ich setze mich auf und öffne den Reißverschluss des Außenzeltes in etwa so weit, dass mein Kopf hindurch passt. Das grelle Licht schmerzt in meinen Augen und ich zucke zurück. Er blendet ab. Als ich wieder hindurch blinzle, sehe ich die Silhouette eines Riesen zwischen Auto und Zelt. Breitbeinig und die Hände auf die Hüfte gestützt will, die Gestalt keinen Zweifel daran lassen wer hier der Boss ist. Schroffe, fragende Worte in Spanisch fliegen mir um die Ohren. “Was machen wir hier”, ist meine Vermutung. Campar! Manana El Tatio…entgegne ich, immer noch verpennt und mit zugekniffenen Augen. Und irgendwie auch genervt, schließlich ist es in der Höhe ja auch so schon schwer genug mal Schlaf zu bekommen. Der Riese beugt sich zu mir runter und frägt: Alemán??? Si! Alemán!!! Und jetzt dämmert es auch bei mir und wir müssen beide kurz lachen. El Gigante ist unser Fußballspezi von der Gendarmerie und auf Patrouille. Entspannung macht sich breit. Als bolivianische Drogenschmuggler gehen wir anscheinend nicht durch, also lässt er uns nochmal laufen;-)

6 Comments

  1. kathi
    Posted 01/05/2014 at 17:49 | #

    DU bist aber brau geworden, gut siehst du aus.
    Sehr schöne Bilder!!!!;)
    Grüße aus dem regnerischen Germany

    • Posted 04/05/2014 at 01:33 | #

      Gracias! In der Wüste kann man der Sonne auch nur schwer entkommen;-)
      Grüße aus Potosi und bis bald im hoffentlich sonnigen Deutschland:-)

  2. Elke und Tom
    Posted 01/05/2014 at 09:20 | #

    Hallo Bernhard,
    wunderschöne und eindrucksvolle Bilder.
    Wir freuen uns auf die nächsten.

    Wir hoffen, dass es Dir gut geht!

    Liebe und sonnige Grüße,
    Elke und Tom

    • Posted 01/05/2014 at 15:32 | #

      Danke! Bei mir ist alles bestens, bei euch hoffentlich auch!:-)
      Schöne Grüße aus Uyuni/Bolivien
      Bernhard

  3. Posted 01/05/2014 at 08:56 | #

    nette wellen ;-) warste surfen?

    • Posted 04/05/2014 at 01:33 | #

      Leider nicht. Aber immerhin mal Sandboarden auf ner Düne;-)

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