© 2014 Bernhard altiplano45

Roadtrip, sometimes without road

Die Sonne beginnt die Wüstenumgebung um San Pedro de Atacama langsam aufzuwärmen. Ich sitze im schattigen Hinterhof eines Cafes. Im T-Shirt.
Die Wärme tut gut. Die letzte Trekkingtour im Parque Nacional Conguillio liegt nun schon 15Tage zurück. Nasskalte Nächte und durchwachsene Tage standen wunderschönen Märchenwäldern mit Araukarien und anderen Baumriesen gegenüber. Die Zeltnacht in der Sierra Nevada mussten wir sogar abbrechen, da uns ein Parkranger auf einen aufziehenden Sturm hingewiesen hatte. „Tormenta!“. Manche spanische Wörter bleiben irgendwie einfacher im Sinn als andere. Sein Wetterdienst lag zwar daneben, doch das Gewitter in den Bergen hatten wir dann doch nicht riskiert. Wieder ein Gebiet, das auch einen 2. Besuch rechtfertigen würde.
Kurz darauf der Kulturschock in Santiagos Innenstadt. Menschenmassen schieben sich durch die Straßen. Schnell weiter nach Valparaiso. Touristisch, aber sehenswert. Überall Graffitis, bunte Häuser, enge Straßen, gutes Essen, ein riesiger Hafen und ein Großbrand am Stadtrand. Letzteres ist nichts wo man freiwillig hineingeraten möchte. Die Rauchsäule sah bedrohlich aus und zog direkt über die Stadt. Bald fing es auch schon an vereinzelt Asche zu regnen. In der Innenstadt ging das Touri-Treiben seinen gewohnten Lauf. Da sich die Autos auf der Hauptstraße stauten, hatten wir schon Bedenken nicht mehr per Bus die Stadt verlassen zu können. War dann zum Glück doch kein Problem. Das Feuer brannte noch die ganze Nacht.
Dann ein großer Sprung nach Arica, in den Norden von Chile. Ein Auto zu mieten sollte prinzipiell kein Problem sein. In Chile kann es dann doch viele mühsame Stunden und Nerven kosten, auch bei den Großen wie Hertz und Co. Geschlossene bzw. nicht mehr existente Filialen, nicht besetzte Hotlines, falsche Telefonnummern, unklare Preispolitik, erschwerte Kommunikation ohne fließendes Spanisch unsererseits und mysteriöse Umrechnungsfaktoren in US-Dollar erschweren die an sich recht simplen Vorgänge. Doch irgendwann hatten wir unseren kleinen Suzuki Grand Vitara 4×4.
Der Roadtrip konnte beginnen. Das jede unserer 3 Karten (Mietwagenkarte, Reiseführer, an einer Tankstelle gekaufte Karte) hier und da nicht übereinstimmen hat uns da noch nicht gestört. Vor allem weil wir es noch nicht wussten. Die Navi-App Skobbler auf meinem Smartphone war da tatsächlich noch am hilfreichsten, zumindest solange der Akku hält. Hinzu kam noch, dass unser Benziner mit einer Reichweite von knapp über 400km etwas eingeschränkt für unser Vorhaben war. Und die Tankstellen am Altiplano lassen sich an einer Hand abzählen. Vor allem muss man sie erstmal als solches erkennen. Nach dem man sich im Dorf durchgefragt hat, landet man vor einem Haus und aus dem Hinterhof kommt dann ein grinsender Señor mit einem Kanister voll des begehrten Treibstoffs. Oder ein 15-jähriges Mädel hält einem einen Bottich mit einem Schlauch hin und meint wir sollen doch mal bitte kräftig ansaugen. Lecker, bleifrei!
Doch die Freiheit überall hinfahren und vor allem überall anhalten zu können entschädigte für die Mühen. Die Gegend war wieder einmal atemberaubend. Im wahrsten Sinne, denn wir sind von Meereshöhe hinauf in die Wüste, erst auf 3500m, dann am Folgetag auf weit über 4000m. Akklimatisierung geht eigentlich anders, doch unsere dicken Schädel haben es ausgehalten.
Die Passstraße Richtung Bolivien war noch super geteert, hier fuhren auch jede Menge LKWs. Kurz vor der Grenze rumpelten wir dann quer durch die Nationalparks über Schotter und die ein oder andere Holperpiste. Mike „the driver“ war in seinem Element. Vulkane, Geysire, Salzseen, ein blutroter Mond, heiße Thermen (über 40°) zum Baden, Lamas, Vicunas, Flamingos, verlassene Salpeterstädte… wir sind in der spektakulären Wüstengegend nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen. Außer in den eiskalten Zeltnächten. Vor allem wenn der Gaskocher den Geist aufgibt und die Aussicht auf einen heißen Tee in weite Ferne rückt.
Da war die Freude natürlich groß, als ich im Reiseführer von einem Refugio mit Restaurant beim Salar de Huasco las. Also folgen wir direkt nach Sonnenuntergang oberhalb des Salzsees der Beschilderung und finden außer ein paar Bruchbuden…nichts. Dann halt dem anderen Pfeil hinterher zum Refugio Sur. Toll das es hier sogar zwei Unterkünfte geben soll. Hab ich erwähnt dass es bereits stockfinster ist und die ständig abzweigenden Wege nur zu Geröll führen? Immer wieder steuere ich nach links und rechts und leuchte mit dem Fernlicht nach potentiellen Behausungen. Dann endlich erscheinen vor uns mehrere Häuser. Allerdings brennt kein einziges Lichtlein. Egal, Hauptsache ein Dach über dem Kopf und wir sparen uns das Zeltaufbauen. Bitte Refugio, sei offen. Wir parken direkt vor dem Hauptgebäude. Manche der Türen, haben dicke Vorhängeschlösser, andere stehen offen. Ein Eingang nach dem anderen wird überprüft. Alles wirkt verlassen und auch irgendwie gruselig. Hier ein Vorratsraum, dort eine Art Küche. Mit meiner Stirnlampe leuchte ich in den nächsten Raum und sehe einen großen Haufen zernagter Knochen rechts im Eck am Boden liegen. Wohl auch eine Art Vorratsraum, nur für wen oder was? Der Spot meiner Stirnlampe wandert in die andere Ecke des Raumes und ich versuche hinter die Tür zu schauen als ich ein ruckartiges Geräusch höre. Wie das Aufspringen eines großen Hundes. Ich schrecke zurück und lausche. Kein Geräusch. Nichts. Was immer da gerade aufgesprungen ist hat ebenso wie ich seine Lauscher aufgestellt. Nichts wie weg hier. Mike und ich stimmen überein, dass es bessere Übernachtungsplätze als dieses Grusel-Refugio gibt. My tent is my castle.
Ein Zelt kann doch was tolles sein. Die Schuhe, die vor dem Zelt stehen kippe ich übrigens morgens immer brav aus. Keine Lust auf Untermieter. Ich muss da immer an Christoph denken, der in Thailand ahnungslos seinen Schuh anziehen wollte und irgendwie nicht mehr reinpasste. Beim Ausleeren fiel dann eine fette Kröte heraus. Die gibt es hier zwar nicht, Skorpione oder ähnliches wären aber auch nicht so lustig;-)

Achtung! Bilderflut!

2 Comments

  1. Andrea
    Posted 28/04/2014 at 11:52 | #

    Hi Bernhard :-)

    wenn ich deine Bilder betrachte, geht es mir immer gut :-) . Das musste ich dir jetzt einfach mal sagen. Haben “heilende” Wirkung ;-)

    Freu mich auf meeeeeeeehr..

    LG
    Andrea

    • Posted 30/04/2014 at 22:38 | #

      Und ich freu mich über jedes Feedback.
      Hab grad noch ne Dosis hochgeladen;-)
      Meeeeeeeehr (diesmal sogar Meer:) für Andrea!

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