© 2014 Bernhard huayhuash36

Why wash? Why not!

Wenn man ins Tal zurückkehrt, nachdem man zwei oder drei Tage in den Bergen verbracht hatte, sieht man das Leben immer aus einer eigentümlichen Distanz … Dinge, die zuvor wichtig erschienen, die einen besorgt und ängstlich machten, wirken auf einmal recht unerheblich. Geld, Rechnungen, Zukunftsaussichten, Sicherheit … all das ist plötzlich irrelevant geworden.
Joe Simpson

Nur Wollmütze, Stirnlampe und die Badehose befinden sich an meinem Körper. Wanderstiefel und Kleidung liegen auf der kalten Steinplatte vor mir. Die Sonne ist bereits seit 2 Stunden untergegangen und der kalte Wind sorgt dafür, dass die Haut in den Gänsemodus schaltet. Die 4450 Höhenmeter unseres heutigen Camps tragen auch nicht zu angenehmen Temperaturen bei.

Es ist der 4.Tag meiner Trekkingtour im Huayhuash-Gebirge (sprich: waiwasch;) und ich bin nicht allein. Marcella, Andy und Helmut aus Bayern, sowie David und Gil aus Belgien sind mit dabei. Unser Team wird noch von Hector, Aurelio und Willi ergänzt, Guide, Koch und Horseman. Ja, das ist mal wieder Luxustrekking, aber bei 10 Tagen zwischen 4000 und 5000m lässt man sich sowas gefallen. Das Abendessen besteht aus 3 Gängen und alles was man nicht den Tag über benötigt wird von den Mulis getragen. Somit hat man viel mehr Zeit und Energie die atemberaubende Gegend zu genießen. Das einzige Problem bei solchen Touren, die Gruppe, stellt sich als wahrer Glückstreffer heraus. Interessant, charmant und witzig, kurzum, eine absolute Spaßtruppe.
Joe Simpson hatte hier in dieser grandiosen Bergszenerie definitiv weniger Spaß, nachzulesen in seinem Buch „Sturz ins Leere“. Sein Überlebenskampf nach der Besteigung des Siula Grande geht durch Mark und Bein. Jeden Abend zieht er mich wieder in seinen Bann. Bis die Augen zufallen. Am nächsten Morgen sehe ich dann den Gletscher und die Moränen über die er nach seinem Absturz, dem Verdursten nahe, halluzinierend und unter unvorstellbaren Schmerzen, gekrochen ist. Gänsehautmomente.

Ich trete bis an den steinernen Rand und schalte meine Stirnlampe aus, um die anderen nicht zu blenden. Langsam und vorsichtig steige ich die glitschigen Treppenstufen hinab. Mein fröstelnder Körper möchte am liebsten hinabstürzen, allerdings brauche ich nach jedem Schritt ein paar Sekunden um mich an die neue Umgebungstemperatur zu gewöhnen. Am Grund angekommen gehe ich etwas in die Knie und bin dadurch nun bis knapp unter das Kinn vom 40° heißen Thermalwasser umgeben. Ein lautes Stöhnen entweicht mir und ich kann die anderen in der Dunkelheit fast grinsen sehen. Was für ein Gefühl! Hier bleib ich, hier geh ich nicht mehr weg! Wie oft hat man im Hochgebirge schon seinen gesamten Körper wohl temperiert. Fast schon zu heiß. Unter meiner Mütze bilden sich bereits winzig kleine Schweißperlen auf der Stirn. Tagsüber kann man hier in den Hot Springs baden und die Wolken über den faszinierenden Berggipfeln vorbeiziehen sehen. Nachts befindet sich meine Lieblingsstraße über den Pools. Die Milchstraße. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und wenn dann eine Sternschnuppe ihren Schweif quer über den Himmel zieht, in einer Klarheit und Helligkeit das dies doch eigentlich gar nicht echt sein kann, dann möchte man mit einem Freudenschrei die Stille der Nacht zerreißen. Doch die Ehrfurcht lässt einen erstarren und die Kinnlade wird wieder hochgeklappt. Das Wasser steht schließlich ungewöhnlich hoch…

8 Comments

  1. thomas diemer
    Posted 07/07/2014 at 20:44 | #

    Welch grandiose Landschaft, super Bider hätte mein uropa malen können.
    beneide euchb um so einen schönen Treck.
    Viel Spass und Glück auf euer Tour.
    Tomy

  2. Posted 30/06/2014 at 18:05 | #

    que buenas fotos amigo, andress.la cordillera huayhuash es la mejor caminata en la cordillera de los andes. yo llevo haciéndolo durante mucho tiempo y nunca llegare a cansarme de visitarla… que bueno y felicidades por la fotos que están brabasassssss

  3. Kathi
    Posted 29/06/2014 at 17:01 | #

    Hi Bernhard,

    hammer Bilder, ich habe mich verliebt. Ich hätte gerne auch ein paar Abzüge ;)

    Ich hoffe, es geht dir gut und du frierst dir den allerwertesten nicht ab. ;) ))

    Gruß aus D.

    • Posted 29/06/2014 at 17:32 | #

      Hi Kathi,
      über die Bilder reden wir im August mal bei ner Riesenportion Eis;-)
      Dem Hintern und auch dem Rest geht’s gut, wird ja immer wieder in heißes Wasser getaucht;-)
      Schöne Grüße
      Bernhard

  4. Andrea Huber
    Posted 29/06/2014 at 10:49 | #

    Liebster, lieber Bernhard!
    Wie kann es sein, dass du mich “immernoch” zum Staunen bringst. Diese Bilder (vor allem die letzten zwei mit den Zelten und dem Wahnsinnssternenhimmel) sind doch gefaket ;-) DAS IST IRRE.
    Merk dir eines (oder besser merk ich mir das). DAS BILD IST FÜR MICH RESERVIERT :-) ))

    Grüß dich ganz lieb,
    Andrea

    • Posted 29/06/2014 at 17:06 | #

      Liebe Andrea,
      ich bin selbst verblüfft, dass ich immer wieder zum Staunen gebracht werde. Aber so ist “Pachamama” nun mal, und das ist wohl noch nicht alles…
      Also spiel ich weiter stiller Beobachter und “reserviere” mit meiner Kamera was sie sonst noch so zu bieten hat;-)
      Schöne Grüße aus Huaraz (die letzen Tage Südamerika sind gezählt)
      Bernhard

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